Ridesharing, Ridepooling, Carpooling und Mitfahr-Apps für Unternehmen – Fahrgemeinschaft 2.0?

Fahrgemeinschaften sind nichts Neues – jedoch erleben sie gegenwärtig mit Ridesharing, Ridepooling, smarter Carpooling-Software und Mitfahr-Apps für Unternehmen eine „digitale Renaissance“. Wir bringen Ordnung in den Begriffs-Dschungel und klären auf, was sich hinter den Begriffen verbirgt. In diesem Beitrag erfahren Sie alles, was sie über Ridesharing, Ridepooling, Carpooling und Mitfahr-Apps für Unternehmen wissen sollten und welche Anbieter es dafür gibt.

Was ist Ridesharing?

Ridesharing ist zunächst einmal – einzeln übersetzt aus dem englischen – das Teilen einer (Pkw-)Fahrt. Folglich handelt es sich also eigentlich nur um einen anderen Begriff für eine Fahrgemeinschaft. In der Praxis wird der Begriff sowohl für privat als auch gewerblich organisierte Mitfahrgelegenheiten als Oberbegriff verwendet. Bei Letzterem handelt es sich nach verkehrswirtschaftlicher Definition jedoch eigentlich um Ridepooling.

Was ist Ridepooling?

Ridepooling bezeichnet das Bündeln (engl. „to pool“) von Fahrten und Mitfahrer*innen mit einem gemeinsamen Ziel oder entlang einer gemeinsamen Wegstrecke. Im Gegensatz zum Ridesharing ist das Ridepooling fast ausschließlich gewerblich organisiert. Über eine App wählen Mitfahrer*innen ihr Fahrtziel aus, deshalb spricht man auch oftmals von On-Demand-Pooling. Nach dem Buchen einer Fahrt werden sie von professionellen Fahrer*innen mit einem Fahrzeug an einem definierten Standort abgeholt und zu ihrem Ziel mitgenommen. Im Hintergrund optimiert und bündelt ein intelligenter Algorithmus kontinuierlich Fahrzeuge und Mitfahrer*innen mit ähnlichen Zielen, sodass auch während der Fahrt andere Fahrgäste zu- oder aussteigen können.

Die Mitfahrt mit dem Ridepooling-Dienst dauert zwar in der Regel länger bis zum Ziel als zum Beispiel eine Fahrt auf dem direkten Weg mit dem Taxi, dafür sind aber die Kosten durch die geteilte Fahrt deutlich geringer. Gleichzeitig ist eine geteilte Fahrt fast immer nachhaltiger als eine Einzelfahrt.

Ridepooling MOIA
So kann nachhaltiges Pendeln aussehen: Elektrisches Ridepooling in Hamburg (Bild: MOIA GmbH)

Was ist Carpooling?

Carpooling ist der englische Begriff für die klassische Fahrgemeinschaft oder Mitfahrgelegenheit mit einem privaten Pkw. Und da englische Ausdrücke fast immer neu und modern klingen, hat auch der Begriff Carpooling bei uns Einzug gehalten. Das einzig Neue am Carpooling sind zeitgemäße Mitfahr-Apps für die Bildung von Fahrgemeinschaften und dass diese meist von jungen Start-up-Unternehmen angeboten werden.

Fassen wir also noch einmal zusammen: Ridesharing ist ein Oberbegriff für geteilte Fahrten, Ridepooling bezeichnet gewerblich organisierte und gebündelte Mitfahrten, durchgeführt von professionellen Fahrer*innen und Carpooling ist die klassische Fahrgemeinschaft mit dem privaten Pkw – nur App-unterstützt.

Was sind Mitfahr-Apps für Unternehmen?

Mitfahr-Apps für Unternehmen bringen das Schwarze Brett für Mitfahrgelegenheiten auf das Smartphone und ermöglichen Mitarbeiter*innen die einfache Bildung und Organisation von Fahrgemeinschaften auf dem Arbeitsweg. Dadurch pendeln Mitarbeiter*innen nachhaltig und kostengünstig zum Arbeitsplatz. Sie als Unternehmen können damit einen wichtigen Beitrag zur Reduktion von Verkehrsemissionen und Ihres CO2-Fußabdrucks leisten. Ein großer Vorteil der Mitfahr-App gegenüber dem Schwarzen Brett ist übrigens auch, dass die Bildung von Fahrgemeinschaften nicht nur auf Mitarbeiter*innen des eigenen Unternehmens beschränkt sein muss, sondern auch auf benachbarte Unternehmen oder gleich die gesamte Region ausgeweitet werden kann. Im Rheinland funktioniert das beispielsweise mit der Mitfahr-App goFLUX.

Mitfahr-Apps für Unternehmen
Mitfahr-Apps für Unternehmen ermöglichen nachhaltiges Pendeln (Bild: goFLUX Mobility GmbH)

Welche Vorteile bietet Carpooling für Unternehmen?

Carpooling – also die Bildung von Fahrgemeinschaften – bietet Unternehmen gleich mehrere Vorteile. Welche das sind, haben wir Ihnen nachfolgend zusammengefasst:

Nachhaltiges und umweltfreundliches Pendeln

Teilen sich Mitarbeiter*innen ein gemeinsames Auto für den Arbeitsweg, reduziert das den Individualverkehr und somit Verkehrsemissionen – und auch Staus. Laut dem Umweltbundesamt würde eine Erhöhung des mittleren Pkw-Besetzungsgrades auf Arbeitswegen um 0,2 Personen pro Pkw bereits zu einem Rückgang der Pkw-⁠Verkehrsleistung⁠ von elf Prozent führen. Angenommen zurzeit fahren fünf Ihrer Mitarbeiter*innen jeweils mit dem eigenen Pkw zur Arbeit (Besetzungsgrad 1) – dann würde die Bildung einer Fahrgemeinschaft von zwei dieser Mitarbeiter*innen ausreichen, um den mittleren Besetzungsgrad um 0,25 zu erhöhen. Wie Sie sehen, können Sie als Unternehmen hier einen deutlichen Beitrag zur Reduktion von CO2-Emissionen beitragen, wenn Sie Carpooling – insbesondere durch Mitfahr-Apps – fördern. Jede vermiedene Fahrt mit einem Pkw erhöht die Nachhaltigkeit und freut die Umwelt.

Sozialer Austausch und frische Ideen

Fahrgemeinschaften fördern den sozialen Austausch von Mitarbeiter*innen und stärken so den Zusammenhalt untereinander. Das kann sich insgesamt positiv auf das Betriebsklima und auch Arbeitsprozesse auswirken. Aus eigener Erfahrung können wir berichten, dass schon viele gute Ideen im Austausch mit Kolleg*innen auf dem gemeinsamen Arbeitsweg entstanden sind. Gerade der Austausch mit fachfremden Kolleg*innen anderer Abteilungen – mit denen man sonst weniger Kontakt hat – hilft, neue Blickwinkel auf Prozesse zu erhalten und Silos aufzubrechen.

Kostenreduktion für Mitarbeiter*innen und Unternehmen

Mit Carpooling werden die Fahrtkosten quasi auf alle Mitfahrer*innen aufgeteilt. Schon bei einer Mitfahrer*in werden sie theoretisch halbiert, bei drei Mitfahrer*innen werden sogar 75 Prozent im Vergleich zur Einzelfahrt gespart. Ein weiterer Pluspunkt: alle Teilnehmer*innen an der Fahrgemeinschaft können die vollständige Entfernungspauschale von 30 Cent pro Kilometer in der Steuererklärung geltend machen. Doch nicht nur Mitarbeiter*innen profitieren von der Fahrgemeinschaft, sondern auch Sie als Unternehmen. Durch Carpooling lassen sich möglicherweise teure Parkflächen oder der Anteil von Dienstwagen reduzieren und somit ebenfalls Kosten reduzieren.

Entspannt und sicher zum Arbeitsplatz

Wer nicht selber hinter dem Steuer sitzt, der kommt in der Regel auch entspannter am Arbeitsplatz an. Gerade der morgendliche Pendlerverkehr inklusive Restmüdigkeit und Dunkelheit kann Fahrer*innen viel abverlangen – und nicht jeder Mensch fährt dann gerne Auto. Bei einer Fahrgemeinschaft können Frühaufsteher*innen, welche auch gerne bei Dunkelheit fahren, das Steuer übernehmen. Das ist allemal sicherer, als wenn sich Mitarbeiter*innen müde und alleine hinter das Steuer setzen. Gleichzeitig sinkt mit Mitfahrer*innen die Wahrscheinlichkeit für überhöhte Geschwindigkeiten, da man nicht nur für sich, sondern auch für die Beifahrer*innen Verantwortung trägt. Das erhöht die Sicherheit im Straßenverkehr.

Ein positiver Nebeneffekt von Carpooling ist übrigens auch, dass Mitarbeiter*innen pünktlicher am Arbeitsplatz sind – schließlich lässt man die Kolleg*innen nicht gerne warten oder möchte riskieren, dass diese zu spät kommen.

Fahrgemeinschaften sind (fast) kostenlos

Ja, Sie lesen richtig: Eine Fahrgemeinschaft kostet das Unternehmen in der Regel nichts und spart möglicherweise sogar Kosten! Einzige Ausnahme sind die Kosten für eine gebrandete und individualisierte Mitfahr-App oder -Plattform. Eine solche Investition lohnt sich aber allemal, denn Sie erhöhen dadurch die Anzahl betrieblicher Fahrgemeinschaften und profitieren von dessen zahlreichen Vorteilen.

Fahrgemeinschaft Stau
Mit mehr Fahrgemeinschaften könnten solche Bilder der Vergangenheit angehören (Bild: WDR / dpa)

Was sind die Vorteile von Mitfahr-Apps für Unternehmen?

Der große Vorteil von Mitfahr-Apps für Unternehmen ist die vereinfachte Bildung von betrieblichen Fahrgemeinschaften für das Pendeln. Eine App für Mitfahrgelegenheiten erhöht die Sichtbarkeit und Akzeptanz dieser. Das führt im Idealfall dazu, dass mehr neue Fahrgemeinschaften gebildet werden. Dies veranschaulicht die Einführung einer Mitfahr-App bei Ford sehr gut: Schon wenige Stunden nach Bekanntgabe dieser hatten sich fast 100 Nutzer*innen die App heruntergeladen und regelmäßige Fahrtstrecken angeboten. Die Einführung einer betrieblichen Mitfahr-App kann sich also positiv auf Ihren CO2-Fußabruck, die Zufriedenheit von Mitarbeiter*innen und die Arbeitgeber-Attraktivität auswirken.

Welche Nachteile haben Carpooling und Mitfahr-Apps?

Wenn wir ganz ehrlich sind, dann fällt uns nur ein einziger Nachteil ein: Mitfahr-Apps für Unternehmen sind in der Anschaffung und im Betrieb teurer als ein Schwarzes Brett für Fahrgemeinschaften. Ansonsten hat Carpooling nur Vorteile: für die Umwelt, für Mitarbeiter*innen und für das Unternehmen selbst. Sogar der Kostennachteil lässt sich ausgleichen, wenn durch Mitfahr-Apps die Bildung von Fahrgemeinschaften erhöht wird und somit Fahrzeug- und Infrastrukturkosten (Dienstwägen und Parkflächen) und zukünftige CO2-Vermeidungskosten eingespart werden können.

Ein Überblick: Ridesharing, Ridepooling, Carpooling und Mitfahr-Apps-Anbieter in Deutschland

* nur in ausgewählten Städten verfügbar

Fazit: Carpooling und Mitfahr-Apps für Unternehmen machen nachhaltige Mobilität einfach

Fahrgemeinschaften sind eine einfache, kostengünstige und sehr wirksame – aber oftmals vernachlässigte – Möglichkeit für Unternehmen, einen Beitrag zur Reduktion von Verkehrsemissionen und für mehr Nachhaltigkeit zu leisten. Mit modernen Carpooling-Anwendungen und Mitfahr-Apps sowie ergänzt durch Ridepooling- und Ridesharing-Dienste, feiern diese gerade ein digitales Comeback – eine Chance, die Sie nutzen sollten. Sie leisten damit nicht nur einen Beitrag zu nachhaltiger Mobilität und Klimaschutz, sondern auch zur Verbesserung des sozialen Austauschs von Mitarbeiter*innen und zur Steigerung der Arbeitgeber-Attraktivität. Also, worauf warten Sie noch?

Bei Fragen, Feedback und Anregungen zum Thema Ridesharing, Ridepooling, Carpooling und Mitfahr-Apps für Unternehmen freuen wir uns über Kommentare oder eine persönliche Kontaktaufnahme.

Autonomes Ridepooling
Die Zukunft der Fahrgemeinschaft? Autonomes Ridepooling als Pilotprojekt (Bild: MOIA GmbH)

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